Die Gefahren des gewaltlosen Islamismus

Die Gefahren des gewaltlosen Islamismus


Elham Manea wurde als Kind eines jemenitischen Diplomaten in Ägypten geboren und ist mit ihrer Familie weit gereist. Aber der Umzug von Marokko in den Jemen, als Elham ein junges Mädchen war, sticht daraus hervor.

Die Gefahren des gewaltlosen Islamismus

Von Pjyllis Chesler

Sie vergleicht es mit einer Zeitreise: das Verlassen eines freien und modernen Lebens zugunsten eines Ortes, an dem Frauen verschleiert sind und das öffentliche Leben geschlechtergetrennt ist. Man sagte ihr, dass Kunst, Musik, Poesie und Philosophie verboten seien, und dass ihre neue, wahre Familie von „Schwestern“ und „Brüdern“ andere Muslime seien, die all dies glaubten.

Ihr wurde beigebracht zu „hassen“, vor allem Juden, und dass es richtig sei, Ungläubige zu täuschen. Als ihr gesagt wurde, dass ein Ehemann für seine Frau Gott ist, dass sie ihre Blutsverwandschaft zugunsten anderer wahrer Gläubiger opfern müsste, hat sie Abstand genommen. Seitdem hat sie immer mehr Abstand genommen. In The Perils of NonViolent Islamism, ihrem vierten Buch in englischer Sprache, warnt die Autorin, Politikwissenschaftlerin an der Universität Zürich, Aktivistin und Beraterin den Westen.Nach Maneas Ansicht ist der „gewaltlose Islamismus“ der Grundbaustein, der zum gewalttätigen Dschihad führt. Und unsere Fehlinterpretation dieser Realität kann zu echtem Schaden führen.

Wenn wir weiterhin politisch unkorrekte Ideen und Reden „canceln“, weiterhin „Dissens verunglimpfen“ und „auf der unendlichen Schuld des Westens beharren“, dann, so schreibt Russell A. Berman im Vorwort zu diesem Werk, „sollten wir damit rechnen, dass die realen Konsequenzen dieser Ideologie bald deutlicher und rauer werden.“ Manea glaubt, dass die Unterdrückung von Dissens leicht in repressive Praktiken umschlagen kann. „Cancel Culture“ könnte tatsächlich unser „Islamismus“ sein.

„Die globale Herausforderung des 21. Jahrhunderts“

Die heimtückische Natur des gewaltlosen Islamismus ist einer der wichtigsten Gesichtspunkte Maneas. Die Menschen im Westen waren hoffnungslos leichtgläubig in ihrer Wahl von „lächelnden, geduldigen“, Saudi-finanzierten Vertretern von Muslimbruderschaft und Salafisten als ihre Experten für den Islam und Muslime.

„Man kann eine Ideologie und den Fundamentalismus nicht bekämpfen, indem man mit genau den Gruppen zusammenarbeitet, die diese Ideologie fördern“, schreibt sie. Außerdem sei mit dem westlichen Kulturrelativismus und den Lehren des „Multikulturalismus“ uns und den freiheitsliebenden Muslimen sehr, sehr schlecht gedient.

Dieser Kampf, schreibt sie, ist „die globale Herausforderung des 21. Jahrhunderts“. Sowohl der harte als auch der weiche Islamismus müssen „herausgefordert und konfrontiert werden ... wir müssen die Strukturen und das System abbauen, die diese Ideologie und ihre radikalisierte Form des Islam verbreiten.“ Das bedeutet, dass wir signifikante Veränderungen in islamischen Schulen, Moscheen, Jugendgruppen und Freizeiten vornehmen müssen; wir müssen bezahlte Imame umschulen, die im Gefängniswesen arbeiten.

„Wir müssen nicht nur kriminelle Organisationen wie ISIS und al-Qaida bekämpfen. Wir müssen uns auch mit der gewaltfreien Form des Islamismus auseinandersetzen: der Ideologie und ihrer fundamentalistischen Lesart des Islam ... Sicherheitsmaßnahmen ... allein sind sinnlos. Sie lösen das Problem nicht. Sie gehen nicht gegen seine Wurzeln oder seine Struktur vor.“

Manea besteht darauf, dass westliche Regierungen „diese bekämpfen müssen, wie ihr eure eigenen Fundamentalisten, Faschisten und rassistischen Gruppen bekämpft.“

In Anlehnung an den Geschäftsführer des Investigative Project on Terrorism, Steve Emerson, beschreibt Manea im gesamten Buch, wie die Muslimbruderschaft weltweit strukturiert und organisiert ist, um immer neue Generationen mit einem „radikalisierten Islam“ oder einer Hass-Ideologie zu indoktrinieren, die Art Ideologie, die zur Finanzierung und Ausübung des gewalttätigen Dschihad führt; zu Geschlechtertrennung; geschlossenen Gemeinschaften besonders im Westen; der Verschleierung von Frauen, zu Kinderehe, Ungläubigenhass, besonders Judenhass, und so weiter. Sie ruft dazu auf, all diesen Gruppen die Mittel zu entziehen. „Hört auf, sie in den Diskurs einzubeziehen. Erzieht sie zur Verantwortung.“

Islamismus bekämpfen, Muslime unterstützen

Manea versteht und kritisiert, wie Islamisten im Westen agieren. Was als „vernünftige Anfragen für religiöses Entgegenkommen“ beginnt, hat bald folgende Konsequenzen:

„Muslimische Schüler und Studenten müssen in der Cafeteria Halal-Essen bekommen. Sie brauchen einen Gebetsraum in der Schule. Sie wollen den Unterricht während der Gebetszeiten am Tag und freitags verlassen können. Sie organisieren rituelle Fußwaschungen in den Waschräumen. Für den Schwimmunterricht müssen die Geschlechter getrennt werden und Mädchen müssen einen Burkini tragen. Schulausflüge sind verpönt oder werden reduziert ... auf nur einen, um die Teilnahme von Mädchen sicherzustellen. Der Unterricht sollte ebenfalls geschlechtergetrennt sein. Muslimische Schüler dürfen nicht mit nicht-muslimischen Schülern auf dem Schulhof spielen und umgekehrt.“

Ihr dritter wichtiger Standpunkt ist, dass die Muslime selbst an vorderster Front in diesem Kampf gegen den „islamistischen“ Faschismus stehen. Die Gewalt und Kriegsführung von Muslimen gegen Muslime führt zu einer weitaus höheren Zahl von Toten als die von Muslimen gegen Ungläubige. Muslime sprengen muslimische Zivilisten in die Luft, darunter Frauen, Kinder und Alte in Afghanistan, Pakistan, Syrien, dem Irak, Nigeria und in anderen mehrheitlich muslimischen Ländern.

Muslime sind die ersten Opfer – und sie sind auch die mutigsten Dissidenten, die nicht verstehen können, warum der Westen, der bereits in größerer Freiheit lebt, die heldenhaften muslimischen Kämpfe gegen den totalitären Fundamentalismus in Ländern mit muslimischer Mehrheit nicht unterstützt.

Muslimische Gelehrte machen Fundamentalismus für Dschihad verantwortlich

Zum Beispiel zogen 2017 die Märsche muslimischer Imame gegen Terrorismus in Köln, Deutschland und in Paris jeweils nur 100 Menschen an. Muslime, mit denen Manea sprach, sagten, dass sie ihre Jobs und sogar ihr Leben bedroht sahen, wenn sie daran teilnähmen.

Sie gibt Beispiele für Menschen, die den Preis dafür zahlten, fundamentalistische Interpretationen des Korans infrage zu stellen. Scheich Mohammad Abdulla Nasr, ein Religionsgelehrter an der ägyptischen Al-Azhar-Akademie, „verbrachte fünf Jahre im Gefängnis, weil er die Vernunft hinter der Befolgung der Sunna infrage stellte ... die zweihundert Jahre nach dem Tod des Propheten Mohammed geschrieben wurde.“ Mohamed Cheikh Ould Mkhatir, ein mauretanischer Blogger, stand ursprünglich vor der Hinrichtung und verbrachte fünf Jahre im Gefängnis wegen „Blasphemie“, weil er die koranische Grundlage für Sklaverei infrage gestellt hatte, eine Praxis, die in Mauretanien weiterhin legal ist. Nur eine internationale Kampagne hat möglicherweise seine Hinrichtung verhindert.

Schwarzafrikanische Sklaven werden immer noch von ethnisch arabischen Muslimen in Mauretanien, im Sudan, Libyen und Algerien und von Boko Haram in Nigeria gefangen gehalten. ISIS versklavte jesidische Mädchen und Frauen und hielt Sklavenversteigerungen ab, als sie Gebiete im Irak kontrollierten.

Ironischerweise, so Manea, machen muslimische Gelehrte islamistische Texte und fundamentalistisch muslimische Indoktrination und Praktiken für den Dschihad verantwortlich, während der Westen sich selbst für Kolonialismus und weißen Rassismus geißelt und verantwortlich macht, die zum gewalttätigen Dschihad geführt haben sollen. Solche Menschen verstehen nicht, dass muslimische Führer in Ländern wie dem Iran und Saudi-Arabien ebenfalls diese Praktiken ausüben und sowohl religiöse als auch geschlechtliche Trennung praktizieren.

Erinnerungen an eine weitaus tolerantere muslimische Gesellschaft

Manea fügt nun ihre Stimme denen von uns hinzu, wie Ibn Warraq, Bat Ye’or, Zeyno Baran und Douglas Murray, die den Islamismus seit Jahren hinterfragen, nur um ignoriert oder als „rassistische Islamophobe“ diffamiert zu werden.

Die meisten dieser Stimmen sind entweder vom Glauben abgefallen, Konvertiten, säkulare Muslime, oder sie sind Juden oder Christen. Obwohl Manea bereitwillig die Atheisten Richard Dawkins und Sam Harris zitiert, ist das Besondere an ihr, dass sie, wie Zuhdi Jasser und meine liebe Freundin Seyran Ates, nicht säkular ist. Sie hält an der Möglichkeit fest, dass der Islam als Religion reformiert werden kann und muss. Ihrer Ansicht nach besteht der Weg dazu darin, den „friedlichen“ Mekka-Versen des Korans zu folgen und die „kriegerischen“ Medina-Verse neu zu interpretieren oder nicht zu beachten.

Manea erinnert sich persönlich an eine weitaus tolerantere muslimische Gesellschaft in Marokko, Ägypten und im Jemen, in der Frauen nicht verschleiert oder abgegrenzt wurden. Sie schreibt über eine Vielfalt unter den Muslimen, sowohl zu ihren Lebzeiten als auch in vergangenen Zeiten, die sie vermisst und nach der sie sich sehnt, sie wiederzusehen.

Manea ergänzt die Debatte mit aktuellen Beispielen, wie und warum bestimmte europäische Regierungen „die muslimische (islamistische) Wahlstimme“ umworben haben: In den 1960er Jahren brauchte Belgiens König billiges Öl und erlaubte im Gegenzug den von Saudi-Arabien finanzierten Bau von Moscheen und die Ausbildung von Imamen. Schwedens Sozialdemokraten verloren Wahlen, und ihr Weg zurück an die Macht stützte sich auf einen muslimischen Wählerblock, vor allem Einwanderer, im Austausch für den Schutz eines segregierten Lebens – und im Namen des „multikulturellen Fortschritts“.

Manea, die über Frauen und das Scharia-Gesetz geschrieben hat, stellt ihre Position zur islamischen Verschleierung klar. Früher wusste sie nicht, wie sie die Religionsfreiheit mit Verboten des Kopftuchs vereinbaren sollte. Jetzt ist sie absolut überzeugt, dass der Schleier das Zeichen und Symbol des „politischen Islam“ ist. Wie man indoktrinierten Mädchen das Tragen des Hijab oder Niqab wieder abgewöhnt, ist eine offene Frage. Die Tatsache, dass Amerikas „Women’s March“ den Schleier als eine Form des Widerstands gegen Rassismus romantisierte, hat Manea besonders entmutigt – mich auch.

Eine Reform ist notwendig

2007 nahm ich am Säkularen Islam-Gipfel in St. Petersburg, Florida, teil. Er wurde von Austin Dacey und Ibn Warraq organisiert; ich hatte die Ehre, die erste Diskussionsrunde mit dem Teilnehmer Tawfik Hamid, einem ehemaligen Mitglied der Muslimbruderschaft, zu leiten.

Die Abschlusserklärung des Gipfels lehnt Scharia-Gerichte ab, spricht sich gegen Strafen für Blasphemie oder Apostasie aus, will ein Ende der weiblichen Genitalverstümmelung, des Ehrenmordes und der Kinderheirat und sieht öffentliche Diskussionen ohne Zwang oder Einschüchterung vor. Sie besagt unter anderem:

„Wir bestehen auf der Trennung von Religion und Staat und auf der Einhaltung der universellen Menschenrechte.

Wir finden Traditionen der Freiheit, der Rationalität und der Toleranz in der reichen Geschichte der vorislamischen und islamischen Gesellschaften. Diese Werte gehören weder dem Westen noch dem Osten; sie sind das gemeinsame moralische Erbe der Menschheit.

Wir sehen keinen Kolonialismus, Rassismus oder sogenannte „Islamophobie“ darin, islamische Praktiken der Kritik oder Verurteilung zu unterwerfen, wenn sie die Rechte oder Vernunft des Menschen missachten.“

Aufgrund ihres Buches scheint Manea mit dieser Erklärung einverstanden zu sein. Vielleicht ist es an der Zeit, dass jemand wie sie zu einer weiteren Versammlung aufruft und eine neue Erklärung erstellt, die von den Muslimen, die eine religiöse Reformation des Islam wollen, unterzeichnet wird; Muslime, die glauben, dass dies getan werden kann und muss. Und dass dies nur von innen heraus geschehen kann, von den Muslimen selbst, die ein spirituelles Leben wollen, die nicht völlig mit dem brechen wollen, was sie an der Religion schätzen, die aber den Fundamentalismus, den Totalitarismus, den Hass auf Ungläubige, den muslimischen Überlegenheitswahn, den islamischen Rassismus, die Misogynie und so weiter anprangern wollen.

Hasserfüllte medinensische Suren aufheben

Die säkulare Ayaan Hirsi Ali bezeichnete The Perils of NonViolent Islamism als „das Buch, das über den politischen Islam geschrieben werden musste ... (und einen) aufrüttelnde(n) Weckruf für politische Entscheidungsträger, was in diesem Konflikt wirklich auf dem Spiel steht.“ Im Jahr 2015 rief Hirsi Ali zu einer islamischen „Reformation“ auf. Sie wollte die Scharia abschaffen und bestimmte Gebote ganz „verwerfen und aufheben“. Hirsi Ali akzeptierte die Tatsache, dass die meisten Muslime den Islam nicht vollständig verlassen werden und dass Frauenrechte, Minderheitenrechte und die Trennung von Religion und Staat nur durch eine religiöse Reformation zustande kommen können.

Manea schlägt vor, dass die friedlicheren, weniger hasserfüllten mekkanischen Suren für eine solche Reformation herangezogen werden; die späteren feindseligeren und hasserfüllteren medinensischen Suren selbst müssen aufgehoben oder uminterpretiert werden.

Ich fragte meinen guten Freund und Mitstreiter Ibn Warraq, was er davon hält, den Koran in zwei Hälften zu teilen und nur die „friedlichen“ mekkanischen Suren zu behalten, wie Manea vorschlägt. „Ich akzeptiere die islamische Version der Ereignisse nicht und kann diesen Vorschlag nicht ernst nehmen“, sagte er. „Es gibt so etwas wie ‚die mekkanischen gegen die medinensischen Suren‘ nicht.“

Ich bin eine religiöse Jüdin, wenn auch eine sehr unvollkommene. Ich würde mich nicht völlig von einem religiösen Leben trennen wollen, weder sozial noch rituell, aber was noch wichtiger ist, intellektuell. Ich würde gerne sehen, dass Leute wie Ibn Warraq und Hirsi Ali mit Manea zusammenarbeiten, um das zu bekämpfen, was Manea zu recht als „den größten Kampf des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet hat.

Manea hat ein bewegendes und überzeugendes Buch geschrieben. Es ist auch ein mutiges und informatives Werk, das eine ernsthafte Leserschaft verdient.

„The Perils of NonViolent Islamism“ von Elham Manea, 2021, Candor/New York: Telos Press Publishing. Hier bestellbar.

 

Diese Rezension erschien zuerst bei The Investigative Project on Terrorism.

Phyllis Chesler ist emeritierte Professorin für Psychologie und Frauenforschung an der City University of New York (CUNY) und Autorin von 20 Büchern, darunter Women and Madness (1972) und A Family Conspiracy: Honor Killings. (2018). Sie ist Senior IPT Fellow, sowie Fellow bei MEF und ISGAP. - Übersetzt von der Achse des Guten


Autor: AchGut
Bild Quelle:


Freitag, 26 Februar 2021

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