„Nicht unschuldig“ in Duisburg

„Nicht unschuldig“ in Duisburg


Frank Preuß ist in der Redaktion der WAZ für das Ressort Rhein-Ruhr zuständig. In dieser Eigenschaft hat er einen Kommentar zum Ausgang des Verfahrens „Der Staat gegen Henryk M. Broder“ geschrieben.

„Nicht unschuldig“ in Duisburg

Von Henryk M. Broder

„Einen an der Klatsche haben“, lesen wir da, sei „als Beleidigung vergleichsweise niedlich“, vor allem, „wenn man bedenkt, was Richter schon an Widerwärtigkeiten gegen Politiker aus den sogenannten sozialen Netzwerken durchgewunken haben“. Ich vermute, Frank Preuß meint das Urteil eines Landgerichts, wonach man Alice Weidel eine "Nazischlampe" nennen darf, mag es aber so direkt nicht sagen, um nicht in den Verdacht zu geraten, mit der AfD zu sympathisieren. 

Deswegen schreibt er, es gelte, „Zeichen zu setzen in einer Anpöbelungsflut, die bedrohliche Ausmaße angenommen hat“. Und: „Henryk Broder und sein Umfeld sind daran nicht unschuldig.“

Also, nicht dass Preuß etwas Ordentliches anstellen möchte, er will nur ein „Zeichen“ setzen, wie es derzeit alle PC-Taliban der Republik engagiert tun, indem sie Aufrufe unterschreiben oder Leute als rechts, rechtsradikal oder rechtsextrem denunzieren, die andere Meinungen vertreten als Anja Reschke, Jan Böhmermann und Georg Restle. Die Anpöbelungsflut, so Preuß, habe „bedrohliche Ausmaße“ angenommen. Und daran seien „Broder und sein Umfeld nicht unschuldig“.

Jetzt wartet Preuß darauf, aus der Redaktion „Rhein und Ruhr“ in die Abteilung „Bedeutende Denker und Denkerinnen des 21. Jahrhunderts“ überstellt zu werden. Bis eben galt, auch in Duisburg, noch der „Satz vom ausgeschlossenen Dritten“, tertium non datur, schuldig oder nicht schuldig. Ein „nicht unschuldig“ gab es nicht. Seit gestern gilt nun „tertium datur“, es gibt ein Drittes. Der Satz wird als Duisburger Diktum in die Geschichte eingehen. Copyright by Frank Preuß, WAZ.

Im alltäglichen Leben allerdings gibt es das schon länger. Frauen, die zu kurze Röcke tragen, sind „nicht unschuldig“, wenn sie vergewaltigt werden. Gleiches gilt für Schwule, die Händchen haltend durch Marxloh laufen, ohne Rücksicht auf die religiösen Gefühle der Ureinwohner zu nehmen. Dass Juden am Antisemitismus „nicht unschuldig“ sind, versteht sich von selbst. 2000 Jahre verfolgt und immer ohne Grund?

Und schließlich: Wer die WAZ liest, ist „nicht unschuldig“, wenn er sich hinterher verarscht fühlt.


Autor: Henryk M. Broder
Bild Quelle: AchGut.com


Mittwoch, 15 Juli 2020